„Das Kreuz mit der Lust“. Ehe, Sexualität und Missbrauch im Protestantismus seit der Reformation (LM-9B)

Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Breul
Kurzname: S KG: LM-9B
Kurs-Nr.: 01.053.605
Kurstyp: Seminar

Voraussetzungen / Organisatorisches

Das Seminar findet in Gestalt von vier Studientagen am Dienstagnachmittag (und einer Vorbesprechung) statt. Die genauen Termine werden in der Vorbesprechung gemeinsam festgelegt. In der Vorbesprechung lege ich eine Auswahl von Themen vor, aus denen die Seminargruppe gemeinsam auswählt.

Dienstag, 20.10., 16-18 Uhr: Vorbesprechung

o    1. Studientag: 3. November 12-18 Uhr. 
o    2. Studientag: 24. November oder 1. Dezember  12-18 Uhr
o    3. Studientag: 5. oder 12. Januar 12-18 Uhr. 
o    4. Studientag: 26. Januar 12-18 Uhr (mit Kirchenpräsidentin Wüst, Sprecherin des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt der EKD)

Anwesenheitspflicht

Für die Anwesenheit im Seminar gelten die gesetzlichen Regelungen. Für die aktive Teilnahme ist die aktive Partizipation an den Seminarsitzungen notwendig. Nichtteilnahme an den Seminarsitzungen kann durch die Übernahme von Kurzreferaten (10-12 Min.) oder anderen schriftlichen Leistungen ausgeglichen werden.

Empfohlene Literatur

o    Die einschlägigen Artikel zu "Ehe" / "Familie" in RGG, TRE, LThK.
o    Wolfgang Breul: Ehe und Sexualität im Pietismus, EvTh 73 (2013), 339-352.

Inhalt

Das Thema „Ehe und Sexualität“ hat den Protestantismus seit seinen Anfängen immer wieder intensiv beschäftigt. Im frühen 16. Jahrhundert war der Kampf für die Priesterehe eine wesentliche Triebfeder der reformatorischen Bewegung. Luther setzte sich für die Aufwertung ehelicher Sexualität und die Anerkennung der Hausarbeit ein; er sah die Erziehung von Kindern durch ihre Eltern als höchstes Amt in der Christenheit. In der Folge wurden Pfarrfamilie und Pfarrhaus zu einem Merkmal des Protestantismus. Der Pietismus rang um die Einbeziehung von Ehe und Sexualität in seine erfahrungsorientierte Frömmigkeit. Es gab ein breites Spektrum an Vorstellungen von der Ablehnung jeder Form von Sexualität über die traditionelle Ehe hin bis zu einer religiösen Überhöhung ehelicher Sexualität. Im 19. Jahrhundert waren die Kirchen maßgeblich an der Durchsetzung von Vorstellungen der bürgerlichen Familie beteiligt. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts und im frühen 21. Jahrhundert reagierten die Kirchen auf die veränderten Haltungen zu Ehe, Sexualität, Homosexualität, Transidentitäten etc. in der Gesellschaft abwehrend und zurückhaltend. Nur allmählich setzten sich Öffnungen durch. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass auch die evangelischen Kirchen viele Fälle von sexuellen Mißbrauch hatten, die nicht oder nur zögernd verfolgt und aufgearbeitet wurden. Ich freue mich daher sehr, dass Frau Kirchenpräsidentin Wüst ihre Teilnahme für den letzten Studientag zugesagt hat. Sie kennt sich als Sprecherin des Beteiligungsforums Sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nicht nur sehr gut im Thema aus, sie weiß vor allen Dingen auch, worauf in der gemeindlichen und übrigen kirchlichen Arbeit achten muss, um Missbrauch entgegenzuwirken.

Mögliche Themen:
•    Der Kampf um Zölibat und Priesterehe in Flugschriften der Reformationszeit
•    Ehe und Sexualität in der Theologie der Reformatoren (Luther: „Vom ehelichen Leben“ u.a. Schriften)
•    Ehe und Familie der Reformatoren.
•    Die Doppelehe des hessischen Landgrafen Philipp. Eine Skandalgeschichte der Reformationszeit?
•    Ehe und Sexualität bei Philipp Jakob Spener
•    Ehe ohne Sexualität: Gottfried Arnold
•    Ehe als Teil der Religiösität: Nikolaus Ludwig von Zinzendorf
•    Die Ehelehre Dietrich Bonhoeffers und/oder Karl Barths
•    Judith Butler das Unbehagen der Geschlechter
•    Die evangelischen Kirchen und Homosexualität
•    Sexueller Mißbrauch in den evangelischen Kirchen
Weitere Themenvorschläge sind willkommen

Termine

Datum (Wochentag) Zeit Ort
20.10.2026 (Dienstag) 16:00 - 18:00 Vorbesprechung
03.11.2026 (Dienstag) 12:00 - 18:00 00 322 T8
9184 - Taubertsberg III
24.11.2026 (Dienstag) 12:00 - 18:00 00 322 T8
9184 - Taubertsberg III
01.12.2026 (Dienstag) 12:00 - 18:00 00 322 T8
9184 - Taubertsberg III
12.01.2027 (Dienstag) 12:00 - 18:00 00 322 T8
9184 - Taubertsberg III
26.01.2027 (Dienstag) 12:00 - 18:00 00 322 T8
9184 - Taubertsberg III