Was wird aktuell an unserer Fakultät erforscht? Wer sind die Menschen hinter den Forschungsprojekten – jenseits der Professor*innen? Und woran arbeiten sie eigentlich?

Diese Fragen tauchen ab und zu im studentischen Alltag auf – etwa beim Mittagessen in der Mensa, wenn man nicht gerade mit Prüfungsordnungen oder administrativen Herausforderungen beschäftigt ist.

Um genau diese Neugier zu befriedigen, haben die studentische Fachschaft und der akademische Mittelbau gemeinsam das Vortragsformat „Stimmen aus dem Mittelbau“ ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die verschiedenen Gruppen zusammenzubringen.

Nächster Termin

Die nächste Veranstaltung findet statt am: 23.04.2026

Das Format bietet eine Plattform in welchem wissenschaftliche Mitarbeiter*innen ihre Forschung mit Studierenden, Kolleg*innen aus dem Mittelbau, Professor*innen und anderen Interessierten in einem offenen, anregenden Rahmen austauschen können. Präsentiert werden sowohl abgeschlossene oder fortgeschrittene Forschungsprojekte, aber auch neue Ideen und Gedanken, um diese in einem wissenschaftlichen Dialog, auch mit Vertreter*innen anderer Teilfächer der Theologie und aller Statusgruppen, ausprobieren zu können. Gleichzeitig bietet „Stimmen aus dem Mittelbau“ Studierenden die Chance, die vielfältigen Akteur*innen der Fakultät außerhalb des Lehrbetriebs kennenzulernen und so die wissenschaftliche Gemeinschaft besser zu verstehen – und mitzugestalten.

03.02.2026

Dr. Ulrike Peisker (Systematische Theologie/Ethik) untersuchte in ihrem Vortrag mit dem Titel „Vom Blaming zum Shaming. Kommunikationspraktiken angesichts von öffentlichen Fehltritten in den (sozialen) Medien – Eine theologisch kommunikationsethische Kritik“ wie eine spezifisch theologische Umgangsweise mit Blaming und Shaming in sozialen Medien, z.B. in Reaktion auf das (vermeintliche) Fehlverhalten Einzelner aussehen kann.

Dr. Sonja Beckmayer (Praktische Theologie) referierte zu „Religiösen Codes im Heavy Metal. Praktisch-theologische Beiträge zu den Metal Studies“. Sie stellte am Beispiel der Band Powerwolf dar, wie religiös konnotierte Codes von explizit nicht-christlichen Bands im Metal benutzt werden und was das für die religiöse Ansprechbarkeit des Publikums bedeutet.

06.05.2025

Dr. Marion Hauck (Neues Testament) untersuchte in ihrem Vortrag „Paulus als erwähltes Werkzeug. Ambige Sklavenmetaphorik als bestimmendes Merkmal der lukanischen Paulusdarstellung“ das Paulusbild in Apg 9,15–16 als programmatischen Erzählentwurf, der Paulus als erwähltes Werkzeug in den Dienst Gottes stellt. Durch eine konzeptmetaphorische und komparatistische Analyse dokumentarischer Papyri sowie narratologischer Strukturen zeigte sie, wie die Metapher des Sklaven funktional und kulturell doppelkodiert wird. Paulus erscheint dabei als passives Medium göttlicher Sendung, eingebettet in lukanische Inkulturations- und Missionsstrategien. Die Metapher des Sklaven fungiert als kognitives Brückenkonstrukt zwischen jüdischer und paganer Domain und adressiert insbesondere gottesfürchtige Rezipient*innen, die in der Lage sind, die ambivalente Bedeutung des Begriffs skeuos zu entschlüsseln.

Dr. Samuel Shearn (Systematische Theologie/Dogmatik) analysierte in seinem Vortrag „Trost als Illusion. Zu Hans Blumenbergs Kritik an Freud“ die komplexen Bedeutungen von Trost im Spannungsfeld zwischen Philosophie, Anthropologie und Psychoanalyse. Im Zentrum stand Blumenbergs Kritik an Freuds Reduktion von Trost auf kindliche Illusionen. Während Freud Trost als regressives Fluchtmittel vor der Realität betrachtet, deutet Blumenberg Trostbedürftigkeit als anthropologische Konstante und erkennt im Trost ein Phänomen, das Leiden zwar nicht aufhebt, aber das Leiden am Leiden mildert. Shearn plädiert für eine pragmatische Haltung, die auch illusionäre oder mythische Formen des Trosts als legitime Mittel menschlicher Selbstfürsorge anerkennt.

14.01.2025

Dipl.-Theol. Benedict Totsche (Ältere Kirchengeschichte) stellte in seinem Vortrag „Fun with Graphs – oder: Mit distant reading zur Götterpolemik der christlichen Apologeten des 2. Jhds.“ vor, wie er in seinem Dissertationsprojekt mit MAXQDA arbeitet. Dieses Programm, das aus der empirischen Sozialwissenschaft stammt, wird in diesem Projekt erstmals im großen Stil auf altsprachliche Texte angewandt, wodurch etwa Formen von distant reading möglich werden. Er untersucht die griechischsprachigen Apologeten des 2. Jahrhunderts n. Chr. hinsichtlich ihrer Polemik gegenüber den paganen Gottheiten. So stellte Benedict Totsche etwa dar, dass alleine aufgrund des sog. Dokument-Portrait, welches den Text aufgrund der vorherigen Codierungen in farbige Kästchen übersetzt, deutliche Unterschiede zwischen den Texten bei deren Behandlung der Götter festgestellt werden können, wohingegen die bisherige Forschung diese Unterschiede meist nicht beachtet hat.

Dr. Anna Bortz (Altes Testament) stellte Ergebnisse aus ihrem Habilitationsprojekt vor, das sich mit Kompositionsprinzipien des Hoseabuches befasst. Sie zeigte in ihrem Vortrag „Wortspiel-Exegese im Hoseabuch“, wie die zunächst etwas unstrukturiert wirkenden Texte aus dem Buchkern (Hos 5–7) auf ein wurzelartiges (rhizomatisches) Textwachstum zurückzuführen sind, das assoziativ und unter anderem auf Basis von Wortspielen, wie etwa Paronomasie, funktioniert. Damit sind die vielen Wortspiele im Hoseabuch nicht als Redaktionsschicht einer bestimmten „wortspiel-freudigen“ Tradentengruppe zu verstehen, sondern vielmehr als fortlaufende innertextliche Exegese und Mechanismus des Textwachstums selbst. Entsprechend zeigt das Hoseabuch ähnliche Auslegungsprinzipien, wie sie auch später in Qumran zu finden sind.

09.07.2024

Dipl-. Theol. Karoline Totsche (Altes Testament) sprach von ihrem Forschungsprojekt zur Mesha-Stele. Unter dem Titel „Punkt – Punkt – Schaden – Strich. Eine Edition des Textes der Mesha-Stele auf Basis des Pariser Abklatsches“ zeigte sie, wie sie anhand des einzigen vollständigen Abklatsches der Mesha-Stele daran arbeitet, neue Erkenntnisse zum Inhalt dieser zu gewinnen. Ein Unterfangen, welches sich als äußerst schwierig herausstellt; denn zum einen wurde dieser Papier-Abdruck so kurz vor der Zerstörung der Stele gemacht, dass er nicht komplett trocknen konnte, bevor er für eine übereilte Flucht vom Original gelöst werden musste, sodass er Schäden aufweist und teilweise nur schwer zu lesen ist. Zum anderen kann nicht einfach so mit dem originalen Abklatsch gearbeitet werden, sodass Karoline Totsche den Abklatsch aufwändig digitalisieren musste. Nun arbeitet sie daran, anhand eines digitalen Modells des Abklatsches zu entschlüsseln, was auf verlorenen Originalfragmenten der Stele zu lesen war.

Mag. theol. Patrick Papenbrock (Systematische Theologie/Ethik) hielt einen Vortrag mit dem Titel „Mit dem Heiligen Geist nach Hause telefonieren“. Er zeigte in seinem Vortrag auf, dass sich die Wirkung des Heiligen Geistes mit Hilfe von Deutungsmacht beschreiben lässt. Im Rahmen seiner Promotion erarbeitet er so eine Systematisierung der verschiedenen Wirkungsweisen des Heiligen Geistes und, wie diese zur Sprache gebracht werden können. Mit dem Wirken des Heiligen Geistes könne im Christentum jene Macht beschrieben werden, die von Personen, Medien oder Strukturen ausgeht und Lebenswirklichkeit vor dem Horizont christlicher Inhalte ausdeutet. So beschreibt Patrick Papenbrock das Wirken des Heiligen Geistes einerseits als personale Deutungsmacht bezüglich der Fähigkeit von eigenständigen Deutungen. Andererseits zeigt er auch die Wirkungsmacht des Heiligen Geistes auf, die beispielsweise von Medien, wie Abendmahl, Taufe oder der Bibel ausgeht und darüber Deutungen aufbaut. Auch kann sie als strukturelle Bedingung von Deutungen erfasst werden, die unter anderem den Zugang zur christlichen Gemeinschaft in den Blick nimmt. 

05.12.2023

Dr. Christopher König (Neuere Kirchengeschichte) stellte sein Forschungsprojekt zur praxis pietatis bei Gisbert Voetius unter dem Titel „TA ΑΣΚΗΤΙΚΑ. Die praxis pietatis als Körperregime bei Gisbert Voetius“ vor, indem er Ratschläge von Voetius für einen frommen und erfolgreichen Tagesablauf beschrieb und sein Verständnis von Frömmigkeit als geistliche Übungslehre und der Frage, inwieweit damit Glück vermittelt werden kann, darlegte.

Dr. Ulrike Peisker (Systematische Theologie/Ethik) präsentierte unter dem Titel „Gestalt und Möglichkeit zwischenmenschlicher Vergebung. Phänomenologische Betrachtungen in protestantischer Perspektive“ ihr abgeschlossenes Promotionsprojekt zum Thema zwischenmenschlicher Vergebung. Neben einem Überblick erörterte sie das Phänomen menschlicher Vergebung, die Ursachen für Vergebung in zwischenmenschlichen Beziehungen und die mögliche Verbindung zwischen menschlicher und göttlicher Vergebung.