Forum Ethische Theologie

Mit „Ethischer Theologie“ ist nicht eine weitere Teildisziplin der Systematischen Theologie neben Dogmatik, Ethik und Religionsphilosophie gemeint, sondern ein systematisch-theologischer Denkstil eigener Art. Dieser zielt im Wesentlichen darauf, Fragestellungen, Themen und Konzepte, die traditionell der Dogmatik oder der Ethik oder der Religionsphilosophie zugeordnet werden, jeweils in einem Horizont, der Dogmatik, Ethik und Religionsphilosophie verbindet, zu sehen.

 

Prof. Dr. Michael Roth

Systematische Theologie und Sozialethik II (Schwerpunkt Ethik)

Telefon: +49 6131 39 27077

E-Mail: michael.roth@uni-mainz.de

Prof. Dr. Jochen Schmidt

Systematische Theologie und Sozialethik I (Schwerpunkt Dogmatik)   

Telefon: +49 6131 39 26338

E-Mail: jochen.schmidt@uni-mainz.de

Forschungsprojekte

  • Michael Roth: Ethische Theologie (Monographie)
  • Jochen Schmidt: Demut als radikal verbindliche Haltung. Überlegungen zu einer prekären Tugend (Buchprojekt)

Lehrveranstaltungen im SoSe 2024

Ringvorlesung „Es menschelt. Phänomene des Mensch-Seins in interdisziplinärer Perspektive“ (Di 18-20 Uhr, Raum T 1/2)

In dieser interdisziplinären Ringvorlesung werden unterschiedliche Fächer einen Einblick gewähren in Fragen, die sie sich bzgl. des Menschen stellen. Was interessiert Fachvertreter:innen unterschiedlicher Wissenschaften am Menschen und dessen Mensch-Sein?

Neben Perspektiven aus der Theologie werden wir Stimmen aus der Psychologie, Soziologie, Germanistik, Kulturanthropologie u.a.m. hören. Wir werden uns damit befassen, was Menschen zu Verschwörungsglauben treibt, was es mit dem Phänomen des Transhumanismus auf sich hat, wie Phänomene der Gewalt, Vergebung oder Selbstliebe als Ausdrucksweisen des Mensch-Seins zu verstehen sind. Inwiefern gibt das Fragen nach Geschlechteridentitäten Aufschluss über das Mensch-Sein heute? Was hat es mit Bad-Language-Phänomenen auf sich? Und eignet sich die Kategorie des Bösen zur Betrachtung des Menschen in der Gegenwart?

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Tagung: Verletzlichkeit (21-22.6.2024 an der JGU Mainz)

Menschen verletzen einander und sind verletzbar – sie sind „vulnerant“ und „vulnerabel“, an dieser anthropologischen Grundeinsicht besteht gemeinhin kein Zweifel. Wo immer Menschen zueinander in eine Beziehung treten, sei sie intim, freundschaftlich oder kollegial, besteht die Möglichkeit zur Verletzung dieser Beziehung und der in dieser Beziehung Stehenden. Sind Vulneranz und Vulnerabilität als conditiones humanae anerkannt, so wird in gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskursen nicht selten eine jüngst gesteigerte emotionale Verletzlichkeit im zwischenmenschlichen Miteinander und damit einhergehend eine Zunahme von Momenten der Verletztheit diagnostiziert, sei es negativ im Sinne einer gesteigerten Empfindlichkeit oder positiv im Sinne einer gesteigerten Empfindsamkeit. Mit dem regen gesellschaftlichen Diskurs korrespondiert ein neu bzw. erneut wachsendes geisteswissenschaftliches Interesse an Verletzlichkeit, Verletztheit und dem Akt des Verletzens. Dabei ist dem gesellschaftlichen und dem wissenschaftlichen Diskurs gemein, zu der Frage zu provozieren, wie in unseren Beziehungen Verletzungen vorgebeugt und mit entstandenen Verletzungen umgegangen wird bzw. werden kann.

Der durch die geplante Tagung anvisierte interdisziplinäre Austausch zwischen evangelischer und katholischer Theologie, Philosophie, Soziologie und Psychologie partizipiert an dem Interesse einer Verständigung bezüglich dieser Frage und trägt durch die interdisziplinäre Konzeption der Multidimensionalität des Phänomens emotionaler Verletzungen und dem Umgang mit ihnen Rechnung.

Die Tagung wird 5 Sektionen umfassen:

  1. Voraussetzungen für das Reden von Verletzungen: Verletzlichkeit und Resilienz
  2. Verletzungen konkret
  3. Umgangsmechanismen der Täter:innen
  4. „Vergebende“ Umgangsmechanismen der Verletzten
  5. Vergeltende Umgangsmechanismen der Verletzten

Ein detailliertes Programm und Infos zur Anmeldung folgen in Kürze.

Tagung: Moralische Arroganz (geplant für Frühjahr 2025)

Wir leben in einer aufgeregten, polarisierten Gesellschaft. Bisherige Untersuchungen und Kommentierungen gesellschaftlicher Polarisierung legen den Schwerpunkt auf strukturelle Bedingungsfaktoren. Die Perspektive des Individuums kommt dabei bisher nur in einzelnen Studien zur Geltung – jedenfalls im deutschsprachigen Diskurs. In US-amerikanischer Forschung wird gesellschaftliche Polarisierung mit Lastern wie der (moralischen) Arroganz betrachtet, v.a. durch Beiträge aus dem relativ jungen Forschungsfeld der vice epistemology. Diese Studien regen dazu an, kommunikative Strukturen bzw. Akte und deren Eigenschaften mit subjektiven Dispositionen und Verhaltensmuster in Korrelation zu sehen. Während z.B. Moralismus als eine Eigenschaft kommunikativer Akte intensiv diskutiert wird, gilt dies für die moralische Arroganz als einer personalen Eigenschaft jedenfalls im deutschen Sprachraum nicht in gleicher Weise. Dabei könnte es sich gerade als furchtbar erweisen, die unterschiedlichen Dimensionen unterscheidend aufeinander zu beziehen, und dieser Aufgabe stellen sich die Beiträge zum geplanten Workshop.

Im Mittelpunkt der geplanten Tagung stehen die folgenden Themenbereiche

  1. Moralismus und Arroganz in der Gegenwartskultur
  2. Arroganz als Haltung. Praktisch-philosophische und (moral)psychologische Perspektiven
  3. Arroganz und Demut. Aushandlungen (moralischer) Arroganz in philosophischen und theologischen Traditionen

Aus dem Diskurs zwischen zeitgeschichtlichen, gegenwartsdiagnostischen, praktisch-philosophischen, moralpsychologischen und ideengeschichtlichen Sondierungen und exemplarischen Tiefenbohrungen soll ein vertieftes Verständnis der Dynamiken gesellschaftlicher Polarisierung entstehen, auf dessen Grundlage Visionen der Linderung derselben entstehen können.

Weitere Details folgen.