Öffentlicher Vortrag

Prof. Dr. Rüdiger Bartelmus (Kiel) wird am Sonnabend, 2. November um 18.30 Uhr im Atrium Maximum einen öffentlichen Vortrag im Rahmen des 11. Mainz International Colloquium on Ancient Hebrew (http://www.micah.hebraistik.uni-mainz.de/204.php) halten zum Th

Texte aus dem semitischen Sprachraum sind zumeist in reiner Konsonantenschrift aufgezeichnet worden, das gilt auch für religiöse Texte wie das Alte Testament und den Koran. Von daher eignet solchen Texten eine gewisse Ambiguität. Der Fehlen von Eindeutigkeit wurde (und wird) von Autoren aus diesem Kulturbereich nicht als Mangel empfunden, vielmehr häufig bewusst ausgenutzt, insbesondere wenn sie poetische Texte zu Pergament oder Papyrus brachten: Der Leser soll sich um ein Verständnis mühen, er kann bzw. muss sich selbst in den Kommunikationsprozess einbringen. Eindeutige Aussagen sind bei der Kommunikation über das Geheimnis des Göttlichen wie das Geheimnis der Liebe – um nur zwei der wichtigsten Themen antiker Texten anzusprechen – ohnehin unangemessen.
Im Verlauf der Religionsgeschichte kam im Zusammenhang mit den Konflikten zwischen den verschiedenen Religionen bzw. Gruppen das Bedürfnis nach Eindeutigkeit auf: Um die je eigene Position als die einzig richtige zu erweisen, musste die Ambiguität der Texte reduziert werden – sei es durch Übersetzung, sei es durch Vokalisierung des überkommenen reinen Konsonantentextes.
Am Beispiel einiger Verse aus dem Hohenlied – einer Sammlung von weltlichen Liebesgedichten, die in das Alte Testament aufgenommen und damit theologisiert wurden – soll