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Evangelisch-Theologische Fakultät

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Susanne Patock

Sekretariat Systematische Theologie
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Systematische Theologie und Sozialethik

Das Fach Systematische Theologie ist ein Sammelbegriff für mindestens zwei Sachgebiete: die Dogmatik als Reflexion des christlichen Glaubens und seiner gegenständlichen Aussagen und die Ethik bzw. Sozialethik als Reflexion der Orientierung des christlichen Lebensvollzuges und der gemeinschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sich das Leben der Christen vollzieht. Zuweilen wird das Fachgebiet auch weiter differenziert (Apologetik; Ökumenik; Fundamentaltheologie; Religionsphilosophie).

Die Systematik hat im Zusammenhang der theologischen Fachgebiete die Aufgabe, die überkommenen Aussagen des christlichen Glaubens vor dem kritischen Forum des gegenwärtigen Wahrheitsverständnisses und im Kontext der gegenwärtigen Gesellschaft zu verantworten. Die Systematik stellt damit eine notwendige Ergänzung zur historischen Aufgabe der Theologie dar. Denn die dort historisch verorteten Texte begrenzen oft ihren Wahrheitsanspruch gerade nicht auf die vergangene Situation, sondern erheben den Anspruch, eine Wahrheit zur Sprache zu bringen, die ‚bis ans Ende der Zeit’ und damit für alle Zeiten gilt.
Die Systematische Theologie ist Anwalt dieses Anspruchs auf Geltung für alle Zeit und damit auch für die jeweilige Gegenwart. Sie erschließt die Texte der christlichen Tradition als spezifische Gestalt menschlichen Selbst-, Welt- und Gottesverständnisses und reflektiert und reformuliert diesen Wahrheitsanspruch für die jeweilige Gegenwart. Sie tut dies, indem sie ausweist, daß und inwiefern die Texte gegenwärtiges Selbst-, Weltverständnis eröffnen und gegenwärtigen Lebensvollzug orientieren.
Die Systematische Theologie steht damit im beständigen kritischen Gespräch mit dem Selbstverständnis und der Lebensorientierung der jeweiligen Gegenwart; zu ihren zentralen Aufgaben gehört zum einen der beständige kritische ökumenische Dialog mit den christlichen Schwesterkirchen, aber auch die Wahrnehmung und Analyse von außerchristlichen und christentumskritischen Texte und Traditionen, in denen sich die Grundorientierungen und Wahrheitsvoraussetzungen der Gegenwart exemplarisch formulieren. Im kritischen und selbstkritischen Dialog mit diesen Positionen sucht sie die Wahrheit des christlichen Glaubens auszuweisen.
In diesem Sinne ist der Systematik die Hermeneutik aufgegeben, die Reflexion, Übersetzung, Vermittlung und Verantwortung des Wahrheitsanspruches der christlichen Tradition vor der jeweiligen Gegenwart.

 
Evangelisch-Theologische Fakultät, 08.02.2010
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