Kirchen- und Dogmengeschichte. Territorialkirchengeschichte

In der Kirchen- und Dogmengeschichte bzw. Kirchen- und Theologiegeschichte geht es um die gesamtgeschichtliche Dimension des Christlichen in Wechselwirkung mit all jenen historischen Faktoren, die die geistliche Wirklichkeit der Kirche sowie ihre Verkündigung und ihre Lebensäußerungen in charakteristischer Weise prägen, und die auch zu Konflikten, umstrittenen Positionen, Außenseitertum und zu Dissens führen.



Es haben sich Epochenabgrenzungen durchgesetzt, die die ungeheure Fülle des Stoffes strukturieren und Arbeitsfelder der kirchengeschichtlichen Forschung beschreiben; diese Epochenabgrenzungen entsprechen Forschungsschwerpunkten der Lehrstühle. Im Bereich der Alten Kirche liegen die Schwerpunkte in Forschung und Lehre z. B. auf der Geschichte des Urchristentums, der Entstehung der sog. frühkatholischen Kirche sowie der Ausformung der altkirchlichen Theologie. Im Bereich der mittelalterlichen Kirchengeschichte geht es um die Beschreibung und Analyse der Weiterentwicklung des spätantiken Erbes im Mittelalter, der fortschreitenden Christianisierung Europas, der Entstehung und Ausprägung des Mönchtums, um den Nachvollzug und die präzise Erfassung der Motive, die in den Konflikten zwischen Kaisertum und Papsttum, in der Auseinandersetzung mit "Ketzern" und in der Geschichte der Kreuzzüge eine Rolle spielten. Die Reformationsgeschichte beschäftigt sich mit den herausragenden Gestalten der ersten und zweiten Reformatorengeneration, mit unterschiedlichen Ausprägungen der Reformation in Deutschland und Westeuropa, mit der Bekenntnis- und Lehrbildung des 16. und 17. Jahrhunderts und mit der langsamen Ausbildung konfessioneller Identität im Gewebe politischer, sozialer und mentaler Bedingungen. Die Erforschung des  Pietismus und der Aufklärung mit ihren jeweils neuen Ansätzen in Frömmigkeit und Theologie bildet den Übergangspunkt zur Kirchengeschichte der Neuzeit; hier ist die Wechselwirkung der Kirche mit den mannigfaltigen Erscheinungen der Moderne Gegenstand der Forschung.



Der Zweck der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Kirchen- und Dogmengeschichte beschränkt sich keineswegs auf die pure Vermittlung von Fakten, sondern zielt darauf, die epochenübergreifende geschichtliche Eingebundenheit, aber auch die Begrenztheit und Relativität der eigenen theologischen Erkenntnis bzw. des oft nur ererbten Standpunkts bewusst zu machen.