DFG-Projekt Das Eheverständnis des Pietismus im Alten Reich (ca. 1680-1750)

Prof. Dr. Wolfgang Breul

Im Pietismus, der bedeutendsten nachreformatorischen Reformbewegung im europäischen Protestantismus, sind um 1700 markante Veränderungen im Eheverständnis erkennbar. Insbesondere im sogenannten „radikalen“ Pietismus wurde die Ehe als Grundform menschlicher Sozialität fraglich, was bis zur völligen Ablehnung (z.B. Gottfried Arnold u.a.) oder umgekehrt zur Sakralisierung der Gemeinschaft von Mann und Frau (Nikolaus Ludwig von Zinzendorf u.a.) führen konnte. Diese Veränderungen, die auch den „kirchlichen“ Pietismus in moderaterer Form erfaßten, gehen wesentlich auf den Einfluß von Strömungen zurück, welche die evangelische Theologie bis dahin ausgegrenzt hatte (Theosophie Jakob Böhmes, mystischer Spiritualismus). Die Studie möchte diesen Wandel im Eheverständnis anhand markanter Positionen des „kirchlichen“ und des „radikalen“ Pietismus vor ihrem traditionsgeschichtlichen Hintergrund darstellen. Diese von der sozial- und kulturgeschicht-lichen Forschung und der Kirchengeschichte der Frühneuzeit gleichermaßen vernachlässigte Fragestellung soll die (theologiegeschichtliche) Grundlage für eine kulturgeschichtliche Weiterführung des Themas schaffen.