Grabungsbericht

Grabungsbericht für erste deutsch-palästinensische Grabung abgeschlossen

Die politische Situation in Israel erfordert manchmal seltsame und umständliche Wege. Im Jahre 2000 führte das Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie, Fachbereich 01: Evangelische Theologie an der Universität Mainz die erste deutsch-palästinensische Ausgrabung auf einer Ortslage namens Khirbet Bir-Zeit durch. Dies sollte das erste gemeinsame Grabungsprojekt zusammen mit dem archäologischen Institut der Universität Bir Zeit sein. Die Universität Bir Zeit war seit langem die führende Ausbildungsstätte in den palästinensischen Gebieten für Archäologie und hat mehrere wichtige Grabungen durchgeführt. Die Zeit für ein gemeinsames Grabungsprojekt schien ideal: Die politische Situation normalisierte sich damals, die Möglichkeit zur wissenschaftlichen Arbeit war bestens gegeben, und es bestand die Hoffnung, dass die besten palästinischen Studierenden nach einem Studium in Bir Zeit in Mainz ihre Kenntnisse erweitern und vervollständigen können. Ein weiteres Grabungsziel war auch schon konkret ins Auge gefasst: Im Rahmen eines Regionalprojektes sollte das biblische Beth-El und dort besonders eine christliche Kirche und ein Kreuzfahrerbau näher untersucht werden.
Wenige Monate nach der Grabung begann jedoch die zweite Intifada. Damit wurde es für die Archäologen nicht nur unmöglich, die Ortschaft Beth-El auf einfachem Wege zu erreichen. Nach einiger Zeit wurde auch das archäologische Institut der Universität Bir Zeit von israelischer Seite aus geschlossen. Der Leiter des Instituts, Dr. Khaled Nashef, der einen österreichischen Pass besitzt, erhielt keine Einreisegenehmigung mehr. Die Arbeiten an dem Grabungsbericht mußten unterbrochen werden, die gesamten Grabungsunterlagen standen nicht mehr zur Verfügung.
"Wer gräbt, zerstört immer auch, und das unwiederbringlich", meint der Leiter des Mainzer Instituts, Prof. Dr. Wolfgang Zwickel. "Daher war es mir seit Jahren eine wichtige Sache, die Grabung zumindest so zu publizieren, dass zukünftige Archäologen wissen, was wir getan haben." Dank des Computers und der Speicherung der Daten außerhalb des palästinensischen Instituts war der Text des  Grabungsberichtes in einer vorläufigen Form weiter vorhanden. Alle Stein-für-Stein-Zeichnungen, aber auch die Zeichnungen der aufgefundenen Keramik und alle Grabungsphotos stehen jedoch nicht mehr zur Verfügung. "Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und werden nun die Ergebnisse mit privaten Photos, die wir gemacht haben, veröffentlichen", sagt Zwickel. Zwar kann damit nur ein Teil der Grabungsergebnisse sinnvoll dargestellt werden, aber es bietet zumindest die Möglichkeit, die Befunde so der Öffentlichkeit zu präsentieren. Gefunden wurden vor allem Architekturreste aus byzantinischer und arabischer Zeit.
Die Fertigstellung des in vieler Hinsicht nicht befriedigenden, aber doch notwendigen Grabungsberichtes, der in einem international verbreiteten Jahrbuch erscheinen soll, konnte nun mit der finanziellen Unterstützung des Zentrums für Interkulturelle Studien an der Universität Mainz erreicht werden. Dr. Nashef ist inzwischen Mitarbeiter der jordanischen Antikenverwaltung, und so bot es sich an, die Arbeiten in Jordanien ein zweites Mal zu Ende zu bringen. "Eigentlich war die Publikation ja schon fertig gestellt", sagt Nashef. "Sie sollte im nächsten Heft der Zeitschrift Journal of Palestinian Archaeology erscheinen, aber die Zeitschrift gibt es wegen der Intifada nun auch nicht mehr". Immerhin konnte so die erste deutsch-palästinische Zusasmmenarbeit auf dem Gebiet der Archäologie nun abgeschlossen werden und wird bald publiziert sein.